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Rep. 181 A (M) Direktorium des Großen Militärwaisenhauses in Potsdam
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- Rep. 181 A (M) Direktorium des Großen Militärwaisenhauses in Potsdam
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In den Jahren 1722 bis 1724 ließ König Friedrich Wilhelm I. in Potsdam ein Militärwaisenhaus erbauen, das am 1. Nov. 1724 eröffnet wurde. Es war für die Kinder des von ihm gestifteten Leibgrenadier-Regiments bestimmt, stand aber auch Waisen anderer Regimenter offen. In dem Waisenhaus, das nach dem Vorbild der Einrichtung von August Hermann Francke in Halle geschaffen worden war, sollten die Kinder in der Religion sowie im Schreiben und Rechnen unterwiesen und so zu einer "annehmlichen Profession" gebracht werden, um sich nach der Entlassung aus der Einrichtung ihr Brot mit ihrer Hände Arbeit verdienen zu können. Dem Waisenhaus, das zunächst nur für Jungen konzipiert worden war, wurde 1725 ein Mädchenhaus angeschlossen, das 1741 erweitert wurde und in den Jahren von 1771 bis 1777 ebenfalls einen Neubau erhielt, in dem die Waisen bis zur Auflösung des Hauses 1945/46 untergebracht waren.
/ Bei seiner Stiftung hatte das Waisenhaus ein Reglement erhalten, das die Leitung, Organisation und die personelle Besetzung mit Erziehern regelte. Die Leitung bestand aus einem Vorstand und einem Direktorium. Die Kassengeschäfte besorgte ein Rendant. Das Waisenhaus wurde bei seiner Gründung dem Kurmärkischen Departement des Generaldirektoriums unterstellt, nach Errichtung des Militärdepartements im Jahre 1746 oblag diesem die Aufsicht. Nach Auflösung des Generaldirektoriums in den Jahren 1808/09 wurde das Militärwaisenhaus dem Militär-Ökonomiedepartement des Kriegsministeriums unterstellt, bei dem es bis 1919 verblieb.
/ Die Zahl der Zöglinge wechselte in den einzelnen Jahrzehnten. Die höchste Belegung hatte das Waisenhaus im Jahre 1741 mit 1946 Zöglingen, davon etwa 10 Prozent Mädchen.
/ Durch Verfügung König Friedrich Wilhelms I. vom 25. Febr. 1739 wurden die von den Judenschaften jährlich aufzubringenden Rekrutengelder in Höhe von 4.800 Rtlr. dem Militärwaisenhaus zugewiesen, ebenso die seit 1723 von den Juden für die Erteilung von Trauscheinen an die Rekrutenkasse zu zahlenden Gebühren in Höhe von zehn Rtlr. Nach dem Erlaß des Edikts über die Emanzipation der Juden in Preußen vom 11. März 1812 erhielt das Waisenhaus für den Ausfall der Rekruten- und der Trauscheingelder einen Ausgleich aus der Staatskasse.
/ Nach der Gründung des Militärwaisenhauses wurde ein Teil der Jungen und Mädchen von Potsdamer Manufakturunternehmern als billige Arbeitskräfte benutzt. 1743 wurde im Waisenhaus eine Brabanter Kantenklöppelei eingerichtet, die bald darauf an Veitel Ephraim & Söhne verpachtet und später von Benjamin Veitel Ephraim allein betrieben wurde. In der Klöppelei waren maximal 250 Waisenmädchen beschäftigt. 1749 wurde dem Potsdamer Tapetenfabrikanten Isaac Joël gestattet, im Waisenhaus eine Broderie- und Ausnähfabrik anzulegen. Seit 1735 betrieb Isaac Joël daneben eine Stepp- und Schattierfabrik, in der 16 Mädchen tätig waren. Letztere wurde allerdings bereits 1763 geschlossen, da sie sich als nicht profitabel erwies. Am 5. Febr. 1739 war die bereits unter dem Großen Kurfürsten errichtete Gold- und Silbermanufaktur in Berlin, die Gold- und Silbergespinste zur Herstellung von Tressen, Borten und Brokaten anfertigte und dafür ein Monopol besaß, dem Potsdamer Waisenhaus übergeben worden, das sie am 8. April 1763 Veitel Ephraim & Söhne in Erbpacht überließ. Die Manufaktur befand sich 1821 im Besitz der Familie. Am 24. Sept. 1738 war dem Militärwaisenhaus das Alaunbergwerk in Freienwalde gegen eine jährliche Pension an die bisherigen Besitzer, die Familien von Krummensee, überlassen worden. 1784 wurde es an den Bankier Aaron Meyer in Berlin verpachtet, danach an dessen Sohn, den Oberhütteninspektor Moses Meyer. Das Alaunbergwerk wurde 1811 dem Oberbergamt Berlin, 1814 der Verwaltung für das Salz-, Berg- und Hüttenwesen unterstellt, im Aug. 1815 gelangte es erneut unter die Obhut des Oberbergamtes Berlin.
/ In den Jahren 1795/96 wurde der Betrieb der zuerst genannten Unternehmen im Waisenhaus, soweit diese nicht schon zuvor geschlossen worden waren, eingestellt bzw. wurden Zöglinge des Waisenhauses nicht mehr in Unternehmen beschäftigt. Damit wurde den wiederholten Forderungen von Lehrern und Ärzten, die auf die gesundheitliche Schädigung der Waisen durch die Arbeiten hingewiesen hatten, die zudem zu Lasten des Schulunterrichts gingen, entsprochen.
/ Die Registratur des Direktoriums des Waisenhauses ist nur teilweise überliefert. Im Jahre 1938 wurde etwa die Hälfte des Bestandes an das Heeresarchiv in Potsdam, dessen Bestände 1945 weitgehend vernichtet wurden, abgegeben, darunter die gesamte Abteilung II, Etats-, Kassen- und Rechnungswesen. In ihr befanden sich Unterlagen über die Waisenhaushauptkasse, in die u. a. die Rekruten- und die Trauscheingelder der Juden flossen. Abgegeben wurde auch die Aktengruppe "Judensachen". Das Heeresarchiv erhielt ferner aus der Abteilung VII, Zöglinge des Waisenhauses und die ihm angeschlossenen Institute, alle Akten über die Angelegenheiten der Waisenkinder.
/ Die im vorliegenden Bestand befindlichen Quellen über Juden betreffen fast ausschließlich die Ephraimsche Gold- und Silbermanufaktur in Berlin sowie das Alaunbergwerk in Freienwalde. Unterlagen über die Kantenklöppelei, die Broderie- und Ausnähfabrik sowie die Stepp- und die Schattierfabrik fehlen. Ebenso sind keine Akten über die Beschäftigung von Waisen bei christlichen und jüdischen Unternehmen überliefert. Bei den über das Alaunbergwerk Freienwalde vorhandenen Unterlagen werden Angaben auf dessen Verpachtung an den Bankier Aaron Meyer vermißt. Offensichtlich gehörten die genannten Akten bzw. Aktengruppen zu denen, die an das Heeresarchiv abgegeben worden sind. Inwieweit bei der Bearbeitung des Bestandes in den Jahren von 1932 bis 1938 Akten ausgesondert und vernichtet wurden, ließ sich nicht feststellen.
/ Findhilfsmittel: 1 Bd., 1932-1938 - Temporal Coverage
- 1858
- 1724
- Identifier
- QGJ.v2.C00002.I00093
- contains
- Umfang des Bestandes: 9 lfm
- Umfang der Juden betreffenden Akten: 79 Bde., 1740-1829
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