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Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam
- Title
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam
- Description
- Das Brandenburgische Landeshauptarchiv (BLHA) in Potsdam ist eines der jüngsten Landesarchive in der Bundesrepublik Deutschland: Es wurde am 21. Juni 1949 als "Landesarchiv Brandenburg" gegründet (1951-1965 und wieder ab 1991 "Brandenburgisches Landeshauptarchiv", 1965-1991 "Staatsarchiv Potsdam"). Allerdings reicht seine Vorgeschichte sehr viel weiter zurück, sie ist auf das engste verknüpft mit der Entwicklung des Preußischen Geheimen Staatsarchivs in Berlin, das, im 15./16. Jahrhundert aus der Kanzlei der Kurfürsten von Brandenburg hervorgegangen, neben der schriftlichen Hinterlassenschaft der brandenburg-preußischen Zentralbehörden (v. a. Geheimer Rat, Generaldirektorium, Preußische Ministerien) seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die Urkunden und Akten der Provinzial-, Regional- und Lokalbehörden aus der Provinz Brandenburg übernahm. Für diese wurde auf der Grundlage des Provenienzprinzips, das die von einer Behörde oder einem Registraturbildner herrührende Überlieferung als eigenständigen Archivbestand behandelt und nicht unter Sachgesichtspunkten mit Überlieferungen anderer Herkunft vereinigt, 1883 als eigene Abteilung des Geheimen Staatsarchivs das "Brandenburgische Provinzialarchiv" (später: "Staatsarchiv für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin") eingerichtet, das bis 1945 bestand. Seine schon in den 30er Jahren erwogene organisatorische Verselbständigung vom preußischen Zentralarchiv wurde erst unter den gewandelten politischen Verhältnissen nach 1945 verwirklicht.|Die archivarische Arbeit in der Orangerie im Park von Sanssouci, in der das BLHA seit 1949 untergebracht ist, begann mit den aus Berlin während des II. Weltkrieges ausgelagerten staatlichen Beständen des vormaligen Brandenburgischen Provinzialarchivs und mit den in Potsdam vom ehemaligen Brandenburgischen Provinzialverband verwahrten ständischen Registraturen aus der Mark Brandenburg. Die 50er Jahre waren gekennzeichnet durch umfangreiche Aktenübernahme aus den aufgelösten preußischen Behörden der Provinz Brandenburg und aus der 1952 beseitigten Regierung des Landes Brandenburg. Die intensiven Erschließungsarbeiten gipfelten in der zweibändigen Übersicht über die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Weimar 1964 und 1967, in der die Archivalien bis 1945 dem Benutzer mit ausführlichen behörden- und bestandsgeschichtlichen Informationen vorgestellt werden und die ihm trotz aller Ergänzungen auch heutzutage noch zur Vorbereitung seines Besuches dienen sollte. Später wurden entsprechend den archivischen Zuständigkeitsregeln Akten der Staatsorgane und wirtschaftsleitenden Organe der Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) übernommen.|Die friedliche Revolution 1989/90, der Einigungsvertrag und die Wiedererrichtung des Landes Brandenburg stellten das BLHA vor neue große Herausforderungen. Der Untergang des politischen und wirtschaftlichen Systems der DDR zog archivisch die Folge nach sich, daß gewaltige Mengen an Schriftgut aus den aufgelösten staatlichen Verwaltungsbehörden und aus ehemals staatlichen Wirtschaftsbetrieben in die Archivmagazine strömten. Oftmals waren dabei die Archivare zur Rettung der archivwürdigen Unterlagen zu Notübernahmen gezwungen, langfristig vorbereitete Übernahmen aus geordneten Registraturverhältnissen waren unter den Bedingungen der Wendezeit nicht möglich. Die Qualität der Überlieferung aus DDR-Zeit wurde dadurch erheblich verbessert, daß es gelang, die Archive der SED aus den drei brandenburgischen Bezirken und ergänzend dazu die der Massenorganisationen (insbesondere FDGB und FDJ) ins BLHA zu überführen. Einen weiteren großen Zuwachs bedeutete der Beschluß der Landesregierung, unter Verwaltungsgesichtspunkten die geschlossenen Grundbücher und Grundakten aus dem gesamten Land Brandenburg im BLHA zu konzentrieren. Insgesamt ist so der Umfang seiner Bestände seit 1990 von ca. 22.000 lfm auf nahezu 40.000 lfm angewachsen.|Die gewaltigen Aktenmengen wären in den letzten Jahren überhaupt nicht zu bewältigen gewesen, wenn nicht das BLHA seine beschränkten Magazinkapazitäten in der Orangerie wesentlich hätte erweitern können. Seit 1993 ist in Potsdam-Bornim ein zweiter Standort aufgebaut worden, dessen Einrichtung mittlerweile ihren vorläufigen Abschluß erreicht hat. Der Umbau einer ehemaligen Kfz-Halle zu einem Aktenmagazin und die Sanierung eines Verwaltungsgebäudes ermöglichten, einen Archivbetrieb in vollem Umfang für Benutzer und Archivmitarbeiter unter günstigen Bedingungen zu organisieren. Während die Bestände bis 1945 im wesentlichen in der Orangerie verblieben sind, findet der Interessent jetzt die zeitgeschichtliche Überlieferung ab 1945 und zudem die Justizüberlieferung von 1849 bis 1945 (einschließlich der bis 1990 geschlossenen Grundbücher und Grundakten) in Bornim. Die mit zwei Standorten verbundenen Nachteile werden endgültig erst überwunden werden, wenn der dringend notwendige Neubau des BLHA zustande kommt und damit das seit 1949 andauernde "Provisorium" in der Orangerie durch einen modernen Archivzweckbau ersetzt wird.|Rechtsgrundlage für die Arbeit des BLHA ist das "Gesetz über die Sicherung und Nutzung von öffentlichem Archivgut im Land Brandenburg (Brandenburgisches Archivgesetz)" vom 7. April 1994 (GVBl. I S. 94), das sowohl die Erfassung, Übernahme und Verwahrung von Archivgut als auch dessen Benutzung und ferner archivische Organisations- und Zuständigkeitsfragen regelt. Archivgut darf frühestens nach Ablauf von zehn Jahren nach Entstehung der Unterlagen benutzt werden; wenn es sich nach seiner Zweckbestimmung oder nach seinem wesentlichen Inhalt auf eine natürliche Person bezieht, darf es frühestens zehn Jahre nach dem Tod der betreffenden Person benutzt werden. Diese Schutzfristen gelten allerdings nicht, abgesehen von personenbezogenen Daten, für Unterlagen von Stellen, Parteien und Massenorganisationen der DDR.|Das BLHA ist zuständig für das Archivgut des Landes Brandenburg und von dessen Rechts- und Funktionsvorgängern. Entsprechend dem Gang der brandenburgischen Landesgeschichte hat es also vor allem Archivalien der folgenden Verwaltungseinrichtungen zu sichern, zu ergänzen und wissenschaftlich zu bearbeiten:|1. regionale und örtliche Behörden der Kurmark, Neumark und Niederlausitz (12. Jahrhundert bis 1806/15),|2. zentrale, regionale und örtliche Behörden der preußischen Provinz Brandenburg sowie regionale und örtliche Behörden des Deutschen Reiches im Bereich dieser Provinz (1815 bzw. 1871-1945),|3. zentrale, regionale und örtliche Behörden des Landes Brandenburg (1945-1952),|4. Staatsorgane und wirtschaftsleitende Organe, Parteien und Massenorganisationen der Bezirke Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam (1952-1990),|5. zentrale Behörden des Landes Brandenburg (ab 1990).|Die den Bestandsübersichten zugrunde gelegte Tektonik des Archivs (d. h. die Anordnung der einzelnen Bestände) richtet sich nach den in der jeweiligen Epoche in Brandenburg bestehenden Verwaltungsstrukturen, so daß die Stellung der einzelnen Behörde innerhalb der gesamten Behördenhierarchie mit ihrer sachlichen und territorialen Zuständigkeit und damit die historische Aussagekraft ihrer Überlieferung für die geschichtswissenschaftliche Bearbeitung durchsichtig gemacht wird. Akten und konsequenterweise auch Urkunden sind in provenienzgerecht gebildeten Beständen zusammengefaßt und damit in ihren Herkunfts- und Entstehungsumständen kenntlich gemacht worden. Für die Überlieferung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Jahrhunderte ist zu beachten, daß die älteren kurbrandenburgischen Zentralbehörden sich seit dem 17. Jahrhundert zu Zentralbehörden Preußens weiterentwickelt haben, so daß ihre Akten heute vom Geheimen Staatsarchiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem verwahrt werden. Das BLHA verfügt über den größten Bestand an brandenburgischen Originalurkunden, der durch eine umfangreiche Sammlung von Kopien andernorts befindlicher, aus Brandenburg stammender Urkunden ergänzt wird. Die Aktenüberlieferung der brandenburgischen Verwaltungsbehörden auf der mittleren und unteren Verwaltungsebene setzt im 16. Jahrhundert ein, neben den Kurmärkischen und Neumärkischen Kriegs- und Domänenkammern, den bedeutendsten preußischen Regionalbehörden des 18. Jahrhunderts für die Wirtschafts-, Finanz- und Militärverwaltung, sind die Kurmärkischen und Neumärkischen Stände sowie die adligen Guts-, Herrschafts- und Familienarchive hervorzuheben, die mit ihrer ständisch geprägten Sicht den staatlichen Blickwinkel ergänzen und korrigieren. Für die Epoche der Provinz Brandenburg zwischen den preußischen Reformen und dem Ende des II. Weltkrieges geben die Bestände der Regierungen zu Potsdam und zu Frankfurt (Oder) sowie der provinzialen Selbstverwaltung reichhaltigen Aufschluß. Die kommunistische Umgestaltung Brandenburgs nach 1945 im Zeichen der SED-Diktatur spiegelt sich in den Akten der brandenburgischen Landesministerien 1945-1952, der drei staatlichen Bezirksverwaltungen und der SED-Bezirksorganisationen wider. Der Erschließungszustand der Bestände ist im allgemeinen als gut bis zufriedenstellend zu charakterisieren. Die zentralen Bestände bis 1945 sind in Findbüchern erfaßt, die DDR-Bestände sind verständlicherweise teilweise erst durch vorläufige Verzeichnisse benutzbar gemacht.|Das BLHA hat in den vergangenen Jahrzehnten mit großem Nachdruck die historische Auswertung seiner Archivalien betrieben und wird trotz aller derzeit dominierenden Zuarbeiten zu aktuellen Verwaltungszwecken diesen Schwerpunkt noch auszuweiten suchen. In den "Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs" (seit 1958) liegen mittlerweile 35 Bände - Informationsmittel und Nachschlagewerke, Quelleneditionen, Darstellungen - vor, aus denen nur die unentbehrlichen Werkzeuge des brandenburgischen Landeshistorikers, die Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg (6 Teile, 1970-1996) und das Historische Ortslexikon für Brandenburg (11 Teile, 1962-1996), sowie das Musterbeispiel einer regionalen "histoire totale", Lieselott Enders Geschichte der Uckermark vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (1992), hervorgehoben seien. Seit 1994 ist zur besseren Information über einzelne Bestände eine zweite Schriftenreihe hinzugekommen, die "Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs" (bislang sieben Bände, darunter: Kurmärkische Stände [1995]), in der der Leser Findhilfsmittel und kleinere Quelleneditionen findet. In der 1997 eröffneten "Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte" werden vorrangig Monographien zur brandenburgischen Landesgeschichte und zur untrennbar damit verbundenen preußischen Geschichte veröffentlicht (bislang drei Bände). Besonderer Nachdruck wird gegenwärtig wegen der jahrzehntelang durch die Staatliche Archivverwaltung der DDR erschwerten Zugänglichkeit der Quellen auf zeitgeschichtliche Themen gelegt, erwähnt seien nur die Quellenedition Protokolle des Landesblockausschusses der antifaschistisch-demokratischen Parteien Brandenburgs 1945-1950 (1993) und das Spezialinventar Zwangsarbeit in der Provinz Brandenburg 1939-1945 (1998). Das Brandenburgische Landeshauptarchiv wird sich weiterhin mit Nachdruck der Aufgabe widmen, durch die Erarbeitung von Hilfsmitteln, Editionen und Darstellungen auf der Grundlage seiner reichhaltigen Bestände die Erforschung der brandenburgischen Landesgeschichte voranzutreiben.|Dr. Klaus Neitmann, Ltd. Archivdirektor
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An der Orangerie 3
14469 Potsdam
Tel.: 0331/292971
Fax: 0331/619012 - Identifier
- QGJ.v3.A0113
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- v3
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