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Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin-Dahlem
- Title
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin-Dahlem
- Description
- Für das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz bildet 1998 nicht nur das Gedenkjahr des Westfälischen Friedens oder der Bürgerlichen Revolution, sondern auch das der 400. Wiederkehr jener landesherrlichen Anweisung an Erasmus Langenhain, den ersten ständigen Archivbedienten, eine "Registratura archivorum" anzulegen und damit endlich einmal Ordnung in die Urkunden, Amtsbücher und Akten der brandenburgischen Kurfürsten zu bringen. Das ehrwürdige Jubiläum regt zum Rückblick und zur Umschau an; die Publikation des vorliegenden, durch Form und Inhalt seinerseits beeindruckenden Inventars von "Quellen zur Geschichte der Juden" in den älteren Beständen des Geheimen Staatsarchivs bietet dafür einen willkommenen Anlaß.|Die Anfänge dieses Archivs sind freilich nicht erst 1598, sondern noch früher, nämlich in der Kanzlei der askanischen Markgrafen zu suchen. Sie reichen damit ins 13. Jahrhundert zurück (erste urkundliche Erwähnung Stendal, 1282). Mit dem Ausbau des Schlosses auf der Spree-Insel Cölln und der Entwicklung Berlins zur Residenz bekam das Archiv dann dort - im "Gewelbe aufm grünen Hut" - einen ständigen Aufbewahrungsort und durch Archivarius Christoph Schönbeck Mitte des 17. Jahrhunderts eine pertinenzorientierte Ordnung seiner Reposituren, die lange gültig blieb. Den ehrenden Titel "Geheimes Staatsarchiv" erhielt es 1803. Einen Bestandsverlust bedeutete die Ausgliederung der Kgl. Haus- und Hofarchivalien 1848/51, einen großen Gewinn dagegen die Vereinigung mit dem Geheimen Ministerialarchiv im Hohen Haus in der Klosterstraße 1874. Sieben Jahre später sorgte die Einführung des Provenienzprinzips dafür, daß die Bestandsordnung abteilungsweise auf eine moderne archivische Basis gestellt wurde. Unter anderem traten dabei auch die Konturen der brandenburgischen Provinzialüberlieferungen klar hervor, die aufgrund ihrer oft substantiellen Verflechtung mit den aus ihnen entwickelten brandenburg-preußischen Zentralüberlieferungen mit diesen eine provenienzgerechte, organisch gewachsene Archiveinheit bilden sollten. Das Geheime Staatsarchiv erwies sich so vor 1914 als Hauptarchiv des Preußischen Staates, das seine Zuständigkeit für dessen Zentralinstanzen infolge historischer Entwicklungen auch mit der für bestimmte Provinzialüberlieferungen verband.|Kurz nach dem I. Weltkrieg bezog das Preußische Geheime Staatsarchiv 1924 sein heutiges Dienstgebäude, den von Eduard Fürstenau errichteten repräsentativen Neubau in Berlin-Dahlem. Während des II. Weltkriegs war 1943/44 der größte Teil seiner Bestände in Bergwerke bei Staßfurt und Schönebeck ausgelagert, von wo sie nach Kriegsende nach Merseburg gelangten. Die Dahlemer Dienststelle wurde schnell wieder für die Rettung von Akten sowohl staatlicher Behörden als auch nichtstaatlicher Einrichtungen aktiv und 1946 zum Hauptarchiv für Behördenakten ernannt (ab 1950 Berliner Hauptarchiv, in sukzessiver Abgrenzung zum Landesarchiv Berlin). Seit 1963 gehört das Dahlemer Haus - wieder unter dem Namen Geheimes Staatsarchiv - zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Alsbald erfolgte die Abgabe der nach 1945 eingesammelten Reichsprovenienzen an das Bundesarchiv. Andererseits erhielt das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz 1978 auch die (zuvor im Göttinger Archivlager verwahrten) Bestände des ehemaligen Staatsarchivs Königsberg anvertraut und mit der Verantwortung für dieses einzigartige kulturelle Erbe seine ihm mittlerweile erwachsene Zuständigkeit für Überlieferungen aus dem Bereich der ehemals preußischen Ostprovinzen sanktioniert. Unterdessen wurden die in Merseburg gelagerten Archivalien zunächst vom Deutschen Zentralarchiv Historische Abt. II (seit 1976: Zentrales Staatsarchiv, Dienststelle Merseburg) betreut. Nach der deutschen Wiedervereinigung gelangten diese Bestände 1993/94 nach Berlin zurück, wo sie nun wieder die Basis der Überlieferung des Geheimen Staatsarchivs bilden.|Heute, 400 Jahre nach 1598, ist das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz aufgrund seiner historischen Entwicklung und in einer seit der Beseitigung des preußischen Staates 1947 gewandelten Archivlandschaft, in die z. B. auch das 1949 gegründete Landeshauptarchiv Potsdam einzubeziehen ist, zunächst für die Überlieferung der zentralen Instanzen des ehemaligen Brandenburg-Preußen zuständig, darüber hinaus auch für bestimmte Provinzialüberlieferungen und nichtstaatliches Schriftgut. Es verwahrt auf differenzierter Rechtsgrundlage gegenwärtig ca. 35.000 laufende Meter Archivalien sowie eine Dienstbibliothek mit etwa 190.000 Bänden und 185 current gehaltenen Zeitschriften. Seine Tektonik umfaßt: Bestände der zentralen Verwaltungs- und Justizbehörden Brandenburg-Preußens, der preußischen Parlamente und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz; das Brandenburg-Preußische Hausarchiv sowie das Heeresarchiv (bis 1867/68, soweit nicht vernichtet); bestimmte Territorialüberlieferungen und Provinzialbehörden (v. a. der ehemaligen preußischen Ostprovinzen); nichtstaatliche Provenienzen (v. a. brandenburg-preußisch akzentuierte Nachlässe und Familienarchive; weiter Schriftgut von Freimaurerlogen und vergleichbaren Organisationen) sowie archivische Sammlungen (mit besonders reichhaltiger Kartenüberlieferung).|Der Bestands-Fülle des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz entspricht die Intensität seiner Benutzung, die (von der schriftlichen Inanspruchnahme einmal abgesehen) derzeit zwischen 12 und 13.000 Benutzertagen pro Jahr schwankt. Dies stellt an das Archivpersonal hohe Anforderungen, sowohl mit Blick auf die notwendigen Erschließungsarbeiten an den wieder zu verzahnenden "Merseburger" und "Dahlemer" Bestände-Teilen, als auch aufgrund der derzeitigen Magazinsituation, die den Hauptteil der Archivalien, ca. 28.000 lfm, in einem provisorisch eingerichteten Gebäude im Berliner Westhafen vorhält. Der Schwerpunkt der archivischen Routine liegt derzeit vor allem auf Ordnungsarbeiten, obwohl die Verzeichnungsqualität mancher Reposituren dringend novelliert werden muß. Eine moderne Beständeübersicht wird vielfach verlangt; die Arbeit daran hat mittlerweile begonnnen.|In dieser Situation wurde es vom Archiv durchaus begrüßt, daß die vom Leo Baeck Institut initiierte Publikationsreihe über "Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer" auch das Dahlemer Haus berücksichtigt und die Herausgeber zunächst die Inventarisierung seiner älteren zentralen (meist ehemals "Merseburger") Bestände in Auftrag gaben. So erschließt das vorliegende Buch die Überlieferung des Geheimen Rates, des Generaldirektoriums und weiterer älterer Zentral- und Oberbehörden bis ins frühe 19. Jahrhundert sowie die des Brandenburg-Preußischen Hausarchivs - und damit eine Quellenmenge, die aufgrund des historisch gewachsenen Ordnungszustands des Geheimen Staatsarchivs teilweise bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Dieser Ordnungszustand wird innerhalb der Bestände, besonders mit Blick auf die Reposituren der Provenienzgruppe "Geheimer Rat", modernen Vorstellungen oft genug nicht gerecht; ebensowenig die Verzeichnungsschärfe. Die umfassende Erschließung gerade dieser Reposituren für ein Inventar jüdischer Betreffe setzte daher ein bestimmtes Potential an archivischem Fachkönnen und archivarischem Fingerspitzengefühl voraus. Der Bearbeiterin des vorliegenden Bandes, Frau Archivrätin i. R. Dr. Meta Kohnke, stand beides aufgrund langjähriger intensivster Beschäftigung mit den Quellen in reichem Maße zu Gebote. Sie hat ihr Fachkönnen und Fingerspitzengefühl in die Publikation einzubringen verstanden, auch entlegene oder verborgene Quellen zu Tage gefördert, und damit Maßstäbe nicht nur für die weiteren jüdischen Quelleninventarprojekte, sondern auch für die allgemeinen Erschließungsarbeiten des Geheimen Staatsarchivs gesetzt. Umso dankbarer darf deshalb hier konstatiert werden, daß mit Frau Dr. Kohnke bestimmte Bestandsbezeichnungsprobleme bereits mit Blick auf die geplante Kurzübersicht abgestimmt werden konnten, während die Herausgeber ihrerseits bereit waren, etwa in der Anordnung der Signaturnachweise oder bei der Reihung der Bestandsgruppen den Vorgaben des Archivs zu folgen.|Insgesamt ist damit aus der Zusammenarbeit aller am vorliegenden Inventar maßgeblich, mitwirkend oder beratend Beteiligten ein praxisorientiertes archivisches Findmittel entstanden, auf das die Herausgeber stolz sein werden, für das die Archivarinnen und Archivare des Geheimen Staatsarchiv ihrer ehemaligen Mitarbeiterin dankbar sind - und das hoffentlich vielen Benutzern, die sich für die vielfältigen Aspekte der deutsch-jüdischen Geschichte in Brandenburg-Preußen in der frühen Neuzeit interessieren, den Weg nach Berlin-Dahlem, zurück zu den Quellen, von zu Hause bis in den Benutzersaal des Archivs erleichtern wird.|Berlin-Dahlem, im April 1998|Jürgen Kloosterhuis|Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz
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